SOZIALES Antrag auf Schwerbehinderung Begleitschreiben ist wichtig Wer beim Versorgungsamt oder bei der zuständigen Kreis- oder Stadtverwaltung einen Antrag auf Feststellung einer Schwerbehin- derung beziehungsweise auf Neufeststellung eines Grades der Behinderung (GdB) stellt, sollte diesem Antrag auf jeden Fall ein aussagekräftiges Begleitschreiben beifügen. Darauf weist der Vorsit- zende der Schwerbehindertengruppe in unserer DPVKOM, Heinz Stenner, hin: y a b a x P i : o t o F solches Begleit- Ein schreiben sollte bei- spielsweise persönliche Einschränkungen im All- tag detailliert beschrei- ben, statt nur Diagnosen aufzuzählen. Es hebt den Mehrbedarf an Zeit/Unterstützung her- vor, nennt relevante Merkzeichen (zum Bei- spiel G, B, aG) und verweist auf beigefügte ärztliche Berichte. Mit dem Schreiben wird ein höherer GdB aufgrund der gesundheitli- chen Einschränkungen beantragt und es enthält einen Hinweis auf die beigefügten medizinischen Unterlagen (zum Beispiel Arztbe- richte, Befunde, Diagnosen). Nachfolgend eine Formulierungshilfe (kursiv gedruckt) für das Begleitschreiben zum GdB-Antrag: Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit beantrage ich für mich [Name], geboren am [Datum], die Feststellung eines Grades der Behinderung (GdB). Ich leide unter [Diagnose(n)], die zu erheblichen Einschränkungen im täglichen Leben führen. Folgende [Diagnose(n)] liegen vor: (An dieser Stelle sollten alle relevanten Diagnosen klar und über- sichtlich aufgelistet werde. Zum Beispiel: Autismus-Spektrum-Stö- rung (ASS), ICD-10: F84.5; Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts- störung (ADHS), ICD-10: F90.0 etc.) Im Folgenden möchte ich die Auswirkungen der Erkrankungen/ Behinderung auf verschiedene Lebensbereiche darlegen. (Hier erfolgt nun eine Beschreibung der Einschränkungen und der konkreten Auswirkungen der Diagnosen auf verschiedene Lebens- bereiche. Nutzen Sie dabei die folgenden Kategorien als Orientie- rung: a) Soziale Interaktion und Kommunikation • Schwierigkeiten, soziale Signale zu verstehen, Freundschaften zu schließen oder zu halten • Missverständnisse in der Kommunikation (zum Beispiel Ironie, nonverbale Signale) b) Sensorische Empfindlichkeiten • Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen, Licht, Gerüchen oder Berührungen • Stressreaktionen durch Reizüberflutung c) Emotionale und psychische Belastungen • Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation • Stimmungsschwankungen, Angstzustände oder Depressionen d) Kognitive und organisatorische Einschränkungen • Probleme mit Aufmerksamkeit, Konzentration und Zeitmanage- ment • Schwierigkeiten, Routinen zu ändern oder mit unvorhersehbaren Situationen umzugehen e) Körperliche Einschränkungen (falls zutreffend) • Müdigkeit, Erschöpfung oder Schmerzen • Einschränkungen in der Mobilität oder Selbstversorgung f) Berufliche und schulische Auswirkungen • Schwierigkeiten im Arbeits- oder Schulalltag Diese Einschränkungen wirken sich im täglichen Leben folgender- maßen aus: (Verwenden Sie hier konkrete Beispiele aus dem Alltag, um die Aus- wirkungen zu verdeutlichen. Zum Beispiel: Ich habe große Schwie- rigkeiten, soziale Situationen zu meistern. Bereits ein Einkauf im Supermarkt führt zu starker Erschöpfung und Überforderung. Tele- fonate werden vermieden, da sie als sehr stressig empfunden wer- den. Zudem reagiere ich empfindlich auf laute Geräusche und grel- les Licht, was zu häufigen Rückzugsbedürfnissen führt.) Vor diesem Hintergrund benötige ich Hilfe und Unterstützung in folgenden Bereichen: (Beschreiben Sie hier, welche Unterstützung benötigt wird, zum Beispiel im Haushalt, bei der Organisation, in sozialen Situationen. Erwähnen Sie auch, ob bereits Hilfsmittel, Therapien oder Assistenz genutzt werden.) Zusammenfassend führt die Kombination aus [Diagnosen] zu erheb- lichen Einschränkungen in nahezu allen Lebensbereichen. Ein ange- messener GdB sowie die Gewährung von Nachteilsausgleichen sind daher dringend erforderlich, um die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Vielen Dank für die Bearbeitung meines Antrags. Und noch ein paar Hinweise zum Schluss: Das Schreiben sollte persönlich und ehrlich verfasst sein. Der Fokus sollte auf die dauerhafte (über 6 Monate) Beeinträchtigung gerich- tet werden. Das Begleitschreiben ersetzt nicht das offizielle Antrags- formular, sondern ergänzt es. Senden Sie den Antrag am besten per Einschreiben, um einen Nachweis zu haben. 20 Heinz Stenner 03-2026